Sofi (Sofi-Elina) Oksanen, geboren am 7.1.1977 in Jyväskylä (Finnland), bezeichnet sich als finnisch-estnische Schriftstellerin, da ihr Vater aus Finnland und ihre Mutter aus Estland stammt. Sie studierte Literatur an den Universitäten Helsinki und Jyväskylä sowie Dramaturgie an der Theaterakademie der Universität der Künste Helsinki. Sie debütierte 2003 mit dem Roman „Stalins Kühe“ und hat seitdem weitere Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten, Kolumnen und politische Essays vorgelegt. Oksanen ist eine international gefeierte Gegenwartsautorin, die viele renommierte Preise insbesondere für ihren Roman „Fegefeuer“ (2008) erhalten hat. Ihr Werk wurde in über 40 Sprachen übersetzt.
* 7. Januar 1977
von Judith Meurer-Bongardt
Essay
Sofi Oksanen ist – einmal abgesehen von Tove Jansson – vermutlich die international bekannteste finnische Schriftstellerin der Gegenwart. Spätestens seit Finnlands Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2014, anlässlich dessen Oksanen die Eröffnungsrede hielt, ist sie auch in der deutschsprachigen kulturellen Öffentlichkeit präsent. Rückblickend auf dieses Ereignis muss man sie als eine frühe Stimme der von Olaf Scholz 2022 ausgerufenen „Zeitenwende“ verstehen, da sie in ihrer Rede unter dem Eindruck der Annektierung ukrainischen Staatsgebiets durch Russland eindringlich vor dem Putinismus und anderen totalitären Regimen warnte und die Bedeutung der Freiheit der Kunst unterstrich. Insbesondere hob sie die Fähigkeit literarischer Texte hervor, sich ...